Das Ende der Zeitarbeit…

Themen: Aemter & Arbeitslos, Allgemeines, Alltag & Gesellschaft, Politik & Wirtschaft
von: Shanky-TMW am 11 November 2008 um 11:01 Uhr

…ist etwas, was vielleicht gerade eingeläutet wird. Wer meinen Blog liest wird sicher schon gemerkt haben, das ich nicht gerade ein Freund von Zeitarbeitsfirmen, Leiharbeit, Personalleasing, Arbeitnehmerüberlassung (und alle anderen Kunstworte, die es sonst noch für diese Leihsklavenbuden gibt) bin. Also nicht wundern wenn ich wieder mal ein paar harte Worte wähle.

Sicher, ich bin auch in diese Mühlen geraten, habe im letzten Jahr in den sauren Apfel gebissen und mich ein ganzes Jahr in einer solchen Firma durchgequält um meinen Umzug planen und finanzieren zu können von einer Gegend in der es kaum Arbeit gibt in einer Gegend, die bessere Möglichkeiten bietet (und ja, auch um meinem Schatz näher zu sein als die über 400km die sonst immer dazwischen lagen). Doch meine Meinung hat sich seither nicht geändert, was diese Art der Arbeiterausbeute angeht.

Vollmundig gibt man Preis, das man per “Klebeeffekt” in seinen Einsatzfirmen als Fest Angestellter bleiben könne. Das die Löhne soweit angeglichen seien, das man fast gleichauf der Festangestellten bezahlt würde, etc. Bla Bla des Werbegeschwätz und der Wiedergabe von tollen Statistiken von Zeitarbeitsfirmen (die auch nur der Werbung dienen).

Damals bei Hartz3 hatte man die PSA eingeführt, in der man Zeitarbeitsfirmen verpflichtete, diese in Leiharbeit und einem sogenannten Qualitativen Unterrichts-Verbund zu fördern. Fakt war, das sich diese Leihfirmen damals an den Zugaben der BA bereichert haben während man gleichzeitig den Auftragsgeber für die Entleihung genauso abkassierte wie eh und jeh. Der Unterricht beschränkte sich auf Inhalte oftmals schon bekannte Bewerbertrainigs- und EDV Grundkenntniss-Maßnamen die von möglichst billigen (wenn nicht sogar auch häufig dafür eingestellten 400,- EUR Kräften) durchgeführt wurden. gebracht hats nichts, aber das war voraus zu sehen (auch darüber hatte ich damals entsprechendes geschrieben).

Und nun haben wir die Finanzkriese, die jetzt im großen Stil für das sorgt, was ich (und sicher auch viele andere) schon im kleinen Stil oft gesehen/miterlebt habe. Firmen machen Einsparungen. Was heißt das? Mittlerweile bedient man sich freimütig aus dem Heer der Zeitarbeiter, die sowieso schlecht bezahlt werden, um ohne Probleme seien Mitarbeiter aufzustocken. Zugegeben, Saisonbedingt find ich diese Art des Arbeitens ja noch OK, aber mittlerweile hat man die Gesetzmäßigkeiten ja soweit aufgebohrt, das man vom 18ten Lebensjahr bis zur Rente auf diese Art in der selben Firma gehalten werden kann, genauso wie man sie wieder abstoßen kann. Und man braucht sich keine Gedanken um Lohnfortzahlungen, Abfindungen, Einhalten von Sozialverträglichen Abbauplänen, Krankengeld, Urlaubsgeld, 13tes Monatsgehalt, Zulagen usw. usf. machen. All dies ist nebensächlich, denn Stellenabbau findet jetzt da statt, wo gerade die großen Firmen so eifrig aufgebaut haben - bei den Zeitarbeitern. Und ja, es ist sogar rechtens, denn diese Mitarbeiter arbeiten zwar für Sie, sind aber nicht bei Ihnen angestellt.

Und was passiert dann? Klar, man geht davon aus das diese Menschen ja von Ihren Zeitarbeitsfirmen weiter beschäftigt werden, aber ansonsten ist es den Entleihern auch ziemlich egal was mit dem “Menschenmaterial” (Sklaven sollte man ja lieber nicht dazu sagen) passiert. Und schon steht man mit sauberer Weste da. Man hat eingespart und Stellen abgebaut, aber niemanden entlassen - also alles Sozialverträgliche eingehalten. - ABER: was passiert mit den Zeitarbeitern wirklich? Wenn die Verleiher keine Aufträge haben, wo diese eingesetzt werden können haben diese nur einen Weg vor sich, den Weg zum Arbeitsamt denn die Kündigungen lassen dann nicht lange auf sich warten. Und da der Verdienst nicht gerade üppig ist als Leihsklave (jetzt hab ichs doch wieder geschrieben - OK, ich bleibe jetzt dabei) bleibt auch der Gang zur ARGE zwecks zusätzlichen Unterstützenden ALG2 (allgemein Hartz4 genannt)nicht aus.

Gut, das ist un der Lauf der Dinge mit dem tollen Jobwunder der Zeitarbeit. Jetzt kann sich jeder selbst ausmalen wie weit das geht. In Regensburg hatte BMW und Continental letzte Woche Betriebsurlaub. BMW schließt ab dem 8 Dezember für einen verlängerten Jahreswechselurlaub (normalerweise erst ab dem 22.12. wie ich mir sagen hab lassen) und wenn das weiter so anhält werden Stellen gestrichen - klar, die Zeitarbeiter müssen dran glauben. Apropos, ein Teil der BMWler Zeitarbeiter wurde schon im Januar auf die Straße gesetzt wegen Stellenstreichungen, es ist also dort schon eine ganze Weile bekannt was kommen wird. Conti ist ein Zulieferer in der Automobilbranche, und etliche andere Zulieferer werden denselben Weg gehen. Dazu kommen die Zulieferer der Zulieferer .. eine Pyramide, die sich dann Rückwärts wieder abbaut.

Also wenn das anhält haben wir das Ende der Zeitarbeit auch wieder erreicht, denn dann stehen wieder dieselben zahlreichen Arbeitslosen auf der Statistik, die man seit der Hartz-Reform damit eigentlich von den Statistiken streichen wollte. Und wo sind dann die Jobs, mit denen man die Menschen in Lohn und Brot bringen wollte?

Schöne neue alte Welt, sie hat Euch wieder … es wird hart werden die nächsten Jahre und unserer Kanzlerin muß den Scherbenhaufen, den Ihre Vorgänger und auch Sie selbst so vollmundig als schön verkauft haben dann wirklich wegräumen anstatt nur herum zu schieben, schön zu reden oder anders zu verlagern.

Um noch ein wenig weiter zu sinnieren und zu spekulieren: Sicher wird man der Finanzkriese das alles in die Schuhe schieben, doch es gibt viele Wege weshalb diese Abwärtsspirale für die Zeitarbeit so einsetzt. So wie man das genutzt und gefördert hatte war dies vorhersehbar und wohl auch für bestimmte Zwecke jenseits von Finanzkriesen wohl auch eingeplant worden von diversen Förderern dieser Branche. aber wie gesagt, das kann ich nur spekulieren.

An diesem Tag…

7 comments to “Das Ende der Zeitarbeit…”

  1. Das Ende der Zeitarbeit…(Teil 2: 8 Monate später) | Shankys Bubblethoughts :

    […] ist schon eine Weile her, das ich den ersten Teil schrieb (siehe –> HIER <–). Gut, vieleicht ist meien Überschrift nicht so ganz passend, die Zeitarbeit wird wohl leider nie […]

  2. BZA und die 10 Wahrheiten der Zeitarbeit?… | Shankys Bubblethoughts :

    […] aus, das es in der Branche dank der Wirtschafts- & Finanzkriese komplett abwärts geht (siehe –> HIER <– und –> HIER <–). Und ja, die Zeitarbeit hat einen ziemlich besch…eidenen […]

  3. DominikNo Gravatar :

    Es wäre wirklich mal Zeit dafür, meiner Meinung nach, diese Abzocke der Arbeitnehmer muss doch mal ein Ende haben.

  4. MichaelNo Gravatar :

    grundsätzlich stehe ich Zeitarbeitsfirmen auch eher negativ gegenüber. Mangels eigenen Erfahrungen (jedoch einige aus dem Bekanntenkreis) die INfos mehr vom hörensagen. Es gibt jedoch auch einige positive Erfahrungsberichte.

  5. Shanky-TMWNo Gravatar :

    @Michael
    Na lass mal gut sein. Ein paar wenige Positive Berichte bringen die meisten Leiharbeiter dennoch nicht weiter. Die neuen seit diesem Jahr 2010 gültigen Tarifverträge zwischen BZA und DGB tragen auch kaum zu Verbesserungen bei, im Gegenteil. Da hilft es auch nichts das man die Christrlichen Tarifverträge angezweifelt und per Gericht entsorgt hat. Seit deisemJahr steht den Leiharbeitern eien deutliceh Verschlechterung ins Haus - es hat und wird sich da also nichts ändern.

    Ich könnt auch ein paar Positive Dinge aus eigener Erfahriung bringen, nur betreffen die nicht die Skalvenfirmen sondern nur die wenigen Entleiher die mit dem geliehenen Personal tatsächlich mal gut umgehen.

    Zur Zeit versuchen es wieder einige der Leihfirmen, aber man merkt schon das sie ein wenig Umsatteln, indem sie Verstärkt in den Branchen vermittln wolen, wo sie vor der Kriese noch keinen fuß in der Tür hatten und die Firmen das lieber selbst regeln. Zum Bleistidft bei den Solarmonteuren. Die Großkunden sind dennoch weitgehend weg gebrochen und der Überlebenskampf um die letzten Häppchen hat in diesem Frühjahr angefangen.

    Einige der Kleinen Leihbuden gibt es schlichtweg nicht mehr, andere kippeln noch - mehr in Richtung Insolvenz. Und die großen Leihfirmen begnügen sich mehr mit den letzten resten die sie haben.

    Jobs udn Stellenangebote gibts leider dennoch viel zu wenig. Auch bei den Leihbuden ist es insgesammt weniger geworden trotz des jetzigen alljährlichen Frühjahresspektakels.

    Und das ist meiner Ansicht auch gut so. Man hat nichts davon diesen Unfug auch noch zu fördern.

  6. SonjaNo Gravatar :

    Zeitarbeit ist meiner Meinung nach eines der größten Übel des Arbeitsmarktes. Wer in der Spirale mal drin ist wird ausgenutzt. Und das noch zusätzlich zu fördern ist ein großer Fehler.

  7. AndreaNo Gravatar :

    Meine COusine hatte aus der Not heraus eine Weile mit Zeitarbeitsfirmen gearbeitet.
    Dies ging mehr oder weniger gut.
    Ansonsten, bei einem Kumpel von mir, war es nur Ausbeutung, ganz schlechte Zahlung und miese Arbeitsbedingungen.
    Ich kam zum Glück nie in die Verlegenheit, so etwas zu machen.

    Andrea’s last blog post..Android 2: Grundlagen und Programmierung

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