Ein Wahnsinn dieser Teufelskreislauf
Als Arbeitsloser abgewertet zu werden ist ja mittlerweile normal geworden. Doch wie weit geht das noch runter? Nehmen wir mal folgende Situation:
Es ist Monatsanfang und man findet einen Job, sagen wir bei einer Zeitarbeitsfirma. Aber man muß einiges an km mit dem Auto fahren, rund 50 km Fahrtstrecke hin, und nochmal 50 km zurück, was in der Woche ca. eine Tankfüllung ausmachen würde. Doch der Arbeitgeber zahlt erst zum 15ten des Folgemonats, ist zumindest so kulant eine kleinen Teil am 1sten zu zahlen.
Nun gehts los für den frisch gebackenen Angestellten. Als Arbeitsloser ALG1 oder ALG2 Bezieher hat man noch den Monat als Unterstützung. Aber der Wermutstropfen für den ALG2 Bezieher sieht etwas heftiger aus, da er mit ohnehin schon weniger als 345 EUR im Monat auskommen muß. Wie viel das im einzelnen ist, ist je nach Lebenssituation Unterschiedlich wenig. Dazu muß man ja von irgendwas leben. Spätestens nach 2 Wochen Fahrerei kommt dann das Problem, wie man Sprit in den Wagen bekommt ohne Geld zu haben, aber das nächste kommt erst in zwei Wochen - was tun?
- Nun man könnte das Arbeitsamt, bzw. die ARGE versuchen zu beleihen. Aber selbst wenn das funktionieren würde hätte man noch das Problem das es mindestens vier Wochen dauern würde bis die Anträge durch sind. Abgesehn davon wird man kaum mehr Unterstützung bekommen da man ohnehin schon die Grundsicherung in dem Monat hat.
- Verwandte und Bekannte beleihen, sofern diese sich darauf einlassen wäre natürlich auch möglich. Nur wenn das nicht geht?
- Gut, es gibt noch die Bank und das Girokonto. Wäre da bloß nicht der Umstand das einem ALG2 Bezieher nur noch ein Guthabenkonto zusteht. Also Dispo ausreizen um mit ein paar temporären Schulden neue durchstarten zu können ist da nicht. Und ein Kleinkredit? Kommt auch nicht in Frage. Egal was man an Sicherheiten vorlegt, man ist als ALG2ler immer noch nicht Kreditwürdig.
Und nun? - Ich schrieb ja schon, das ich einen neuen Job gefunden habe und stehe nun vor diesem Problem. Dabei gehöre ich mehr zu den nicht ganz so arbeitslosen, die ohne Ihr zutun in die ALG2-Falle abgerutscht sind. Immer nur kurzzeitige (Saisonjobs) in der strukturschwachen Gegend finde (die meist noch schlecht bezahlt sind) und die 12 Monate in den 24 Monaten Arbeitslosigkeit nicht so recht voll bekommen um wenigstens wieder Anspruch auf ALG1 zu haben. Was sagte mir meine Bank-Kundenbetreuerin doch gleich:
“Sie müssen uns erst mindestens 3 Monate Gehaltsabrechnung vorlegen um Ihr Dispo auf Ihrem Giro zu aktivieren. Das wäre so vom Gesetzgeber bestimmt, es steht Ihnen natürlich frei die Banken zu wechseln. das hat wirklich nichts mit Ihnen zu tun. Und überhaupt, Zeitarbeitsfirmen sind leider auch ein Risiko wegen der schnellen Entlassungen.”
Nunja, ich bin auch kein Freund der ZAs und vermeide es sogar mich bei denen freiwillig zu bewerben. Auf der anderen Seite hab ich meine jetzige Einsatzfirma begutachten können, und schlucke mal für eine kurzen Zeitrahmen die Anstellung bei einer ZA. Unter anderem hat die Dame nicht unrecht, das man ständig bei solchen Firmen auf der Strasse landet, einen hohe Mitarbeiter Fluktuation ist und man deshalb zu einem gewissen Risikofaktor wird. Der Witz an der Sache ist, ich hab ein eigenes Haus, das ich als ALG2ler auch nicht beleihen kann. Auch hier steht mir mein ALG2 Status im weg und die fehlende Grundschuld auf das Haus, selbst wenn Sie schon abbezahlt wäre. Vor ein paar Jahren war das einfacher, man brachte seinen Arbeitsvertrag mit und bekam sein Dispo wieder frei geschaltet wenn es mal nicht vorhanden war. Ganz unbürokratisch.
Gut, ich hab immer noch das Geld, das ich für Heizkosten zurücklege. Ich weiß selbst nicht wie lange der Auftrag in meinem jetzigem Job dauert, also muß ich das wohl oder übel aufbrauchen. Aber was ist mit denen, die diese Möglichkeit nicht haben? Nach zwei Wochen Arbeit den Arbeitgeber mitteilen das einem die Finanzen fehlen für die Fahrten zum Arbeitgeber? Auf diese Weise wieder Arbeitslos werden?
Ein gnadenloses System, wobei ich mit ziemlicher Sicherheit sagen kann, das mir die Bank-Dame in einem Punkt einen Bären aufgebunden hat: das der Staat Ihr solche Dinge vorschreibe. - Ist das nicht Sache der Banken selbst?
Ein echter Teufelskreislauf also, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.






